Die Überwachung der Strahlung in der Umgebung von Tschernobyl heute

Die Überwachung der Strahlung in der Umgebung von Tschernobyl heute

Die Überwachung der Strahlung in der Umgebung von Tschernobyl ist ein wichtiges Thema, das seit dem Reaktorunfall im Jahr 1986 im Fokus der Öffentlichkeit steht. In den letzten Jahren wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Strahlung in der Umgebung des havarierten Atomkraftwerks zu überwachen und die Auswirkungen auf die Umwelt und die Bevölkerung zu minimieren.

Erste flächendeckende radiologische Kartierung seit über 30 Jahren

Im April 2022 veröffentlichte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter erste Ergebnisse einer radiologischen Neukartierung der Sperrzone rund um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl¹. Diese erste flächendeckende radiologische Kartierung seit über 30 Jahren wurde von deutschen und ukrainischen Experten durchgeführt¹. Die zugrunde liegenden Radioaktivitätsmessungen hatte das BfS auf Einladung der Staatlichen Agentur der Ukraine zur Verwaltung der Sperrzone bereits im September 2021 in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und ukrainischen Partnerorganisationen durchgeführt².

Zwei Übersichtskarten zeigen die Cäsium-137-Belastung

Zwei Übersichtskarten zeigen die Cäsium-137-Belastung der Böden und die Gamma-Ortsdosisleistung innerhalb der Sperrzone². Die Ortsdosisleistung gibt an, wie viel Strahlung von außen auf einen Menschen einwirkt. Erhöhte Ortsdosisleistungswerte in der Sperrzone gehen heute fast ausschließlich auf Cäsium-137 zurück, das eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat². Kurzlebigere radioaktive Stoffe wie Jod-131 sind bereits seit Jahren nicht mehr nachzuweisen².

Messungen aus Hubschraubern und am Boden

Für die flächendeckende Datenerhebung führten die Wissenschaftler zusammen mit der Bundespolizei Messungen von Hubschraubern aus der Luft durch¹. Zusätzlich wurden an knapp 200 Stellen Messungen am Boden gemacht und Proben aus dem Erdreich genommen, da sich die radioaktiven Stoffe im Boden ablagern¹. Die Forscher maßen dabei die sogenannte Gamma-Ortsdosisleistung¹.

Gamma-Ortsdosisleistung in der Sperrzone

Die neuen Messungen ergaben, dass die Gamma-Ortsdosisleistung in der Sperrzone je nach Ort zwischen 0,06 und etwa 100 Mikrosievert pro Stunde liegt¹. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die natürliche Ortsdosisleistung der Behörde zufolge zwischen 0,06 und 0,2¹. Menschen, die sich in der Sperrzone an den Orten mit den höchsten Werten dauerhaft im Freien aufhielten, hätten bereits nach etwa acht Tagen eine Strahlendosis von 20.000 Mikrosievert erreicht – der höchsten Dosis, die Menschen in Deutschland im Jahr erhalten dürfen, wenn sie beruflich radioaktiver Strahlung ausgesetzt sind¹.

Daten können für Munitionsbeseitigung genutzt werden

Mit den neuen Daten lasse sich etwa vorausberechnen, wie lange sich Menschen in der Sperrzone aufhalten können, ohne einer unzulässigen Strahlenbelastung ausgesetzt zu werden¹. Das sei etwa für die Feuerwehr wichtig, die dort immer wieder Waldbrände löschen müsse, teilten die Strahlenschutz-Experten mit¹. Insgesamt zeigt sich, dass die Überwachung der Strahlung in der Umgebung von Tschernobyl heute durch moderne Technologien und internationale Zusammenarbeit auf einem hohen Niveau stattfindet. Die gewonnenen Daten können dazu beitragen, die Risiken für Mensch und Umwelt besser einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Quellen:
(1) Bundesamt kartiert Radioaktivität: So verstrahlt ist Tschernobyl heute ….
https://weather.com/de-DE/wissen/umwelt/news/2022-04-21-bundesamt-kartiert-radioaktivitat-so-verstrahlt-ist-tschernobyl-heute.
(2) 36 Jahre Tschernobyl: BfS veröffentlicht neue Radioaktivitätskarten.
https://www.bfs.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/BfS/DE/2022/006.html.
(3) Wie hoch ist heute die Strahlung in Tschernobyl?.
https://tschernobyl-besuch.de/tschernobyl-strahlung-heute/.